Was ist eine Tugend eigentlich? Über die Demut 3
Montag, 12. Januar 2009 13:17
Wie im Haus der VITA IN DEUM bereits angesprochen, hat die Demut sicher eine geistige und eine praktische Seite. Das ist oft so. Die Liebe bleibt auch nicht im Inneren des Herzens. Sie drängt nach außen, ins volle Leben, ist aber Herzenssache.
So auch die Demut. Sie möchte, wie die Liebe, Gutes tun und sein auf Erden. Liebe und Demut bedingen sicher einander. Es muss schon eine Liebe sein, die den Wunsch nach Demut überhaupt hervorbringt.
Vielleicht sehen wir in einem ersten Blick aber mal, was unser Patron, der heilige Thomas von Aquin zur Demut sagt. (Für Interessierte, die ein bisschen Latein können, bieten die Leute von corpusthomisticum hier eine gute, erste Übersicht.)
Thomas nennt die Demut eine Tugend. Wir sollten (erstens) kurz sehen, was eine Tugend überhaupt ist. Dann steht die Demut (zweitens) bei Thomas dem Hochmut entgegen. Drittens hat sie offenbar immer diesen Zug nach unten, der nach Selbsterniedrigung schmeckt. Beim letzten Punkt müssen wir dann praktisch werden und uns fragen, wie man denn überhupt demütig werden kann.
Was also ist eine Tugend?
Um das zu verstehen, müssen wir kurz unser gewohntes Denken in den Hintergrund stellen. Auf der Straße gilt ein tugendhaftes Mädchen als jemand, mit dem man alles mögliche anstellen kann, außer, was Spaß macht. Wenn ein Junge als tugendhaft gilt, kann man mit ihm alles tun, außer Pferde stehlen. Tugend gilt irgendwie als Blassmacher.
Die klassische Tugendlehre sieht das ganz anders, eher umgekehrt. Die Tapferkeit ist eine Tugend. Ebenso sind die Gerechtigkeit und die Klugheit Tugenden. Die Tugenden sind Fähigkeiten, die man ausbauen kann und die aus dem Menschen einen guten, kräftigen Menschen machen.
Eine Tugend haben heißt also sich eine gute Eigenschaft erworben haben. Kann jemand gut Klavierspielen, hat er lange genug geübt. Jetzt kann er es leicht, wie im Schlaf und vor allem gern.
So ist das auch mit den Tugenden. Einmal erlernt, macht es Freude, tugendhaft zu sein. Der Tugendhafte freut sich, wie wenn er ein Laster losgeworden ist; oft nimmt er seine Tugenden allerdings nicht richtig wahr, nämlich dann nicht, wenn er demütig ist.
Die Tugendhaften sind immer die besseren Zeitgenossen. Wer ein gutes Herz hat und einen tugendhaften und demütigen Menschen sieht, möchte ihn sofort zum Freund haben. Die Tugenden, allem voran die Demut, strahlt nämlich große Würde aus. Tugendhafte Menschen werden um Rat gefragt und gelten als weise.
Die Tugenden werden dem, der sie hat zur zweiten Natur, wie das Klavierspielen Können jederzeit abrufbar ist, so ist der Tugendhafte immer tugendhaft, auch wenn man es ihm nicht ansieht, weil er gerade keine Tugend in Anschlag bringen muss.
Der Demütige ist also gern demütig. Er weiß nicht nur, dass die Demut eine äußerst erstrebbare Tugend ist, sondern er erfreut sich an ihr; auch wenn er nie recht weiß, wie demütig er schon ist. Ein Demütiger kann nicht stolz auf seine Demut sein.
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